Freitag, 10. Dezember 2010

Der Grabensprung

Nobilis:
Warum springest du nicht wie die anderen über den Graben? Siehe doch es ist ganz einfach, es bedarf nur dem Mut sich aufzurichten.

Iustus:
Ich könnte springen wie die anderen. Ich könnte es erlernen, ja doch gewiss.
Aber eine innere Stimme sagt mir, dass dies nicht der Weg ist, welchen ich gehen soll.

Erlernen kann man vieles,
Nachmachen kann man alles,
dies ist lediglich eine Frage der Geduld, des Willens und vielleicht der Lehrer.
Dennoch, ich glaube dies ist nicht mein Weg.

Mein Weg ist ein anderer, auch wenn ich noch nicht zu wissen vermag, wie er aussieht.
Ich werde noch einige Zeit hier verbleiben und andere über den Graben springen sehen.
Werde vielleicht frieren, werde vielleicht hungern.

Ich kann leider nicht einfach mit dir ziehen und blind umherirren ohne zu wissen was ich tue.
Es zerreißt mir mein Herz, Geliebte. Aber ich muss mir selbst treu sein und meinen persönlichen Weg finden.

Denn ich wüsste, dass ich irgendwann stürzen könnte und dann wäre ich verloren.
Ohne zu wissen wer ich bin, ohne zu wissen mich aufrichten zu können, würde ich mich in meiner Verzweiflung vorfinden.
Klar du könntest mich aufrappeln und mich weiterziehen. .
Aber das möchte ich nicht. Dafür bist du mir zu kostbar, um dir zur Last zu fallen und dich so zu schwächen.
Auch ob ich mit Glück erfüllt wäre, ist fraglich.
Deshalb muss ich auf meine innere Stimme horchen und lernen sie zu verstehen bevor ich handle.

Es kann gut sein, dass ich letztendlich doch über den Graben springe, jedoch mit einem Unterschied:
Ich springe aus vollster Überzeugung, aus der Vergnügung höchster Lebenslust, aus klar ausformulierter Vernunft und aus gutem Willen mit einem erfüllten Lächeln auf dem Gesicht.
Oder ich werde umkehren und anders ans Ziel kommen.

Es tut mir leid.
Mein Entschluss steht fest.
Ich muss es tun.
Hier trennen sich unsere Wege.

Nobilis: 
Aber nein doch.
Ich werde bei dir bleiben.
Ich habe dir damals versprochen dir treu zu sein und das werde ich auch heute.
Kälte, Sturm und Regen vermögen mir nichts anzuhaben.
Denn ich liebe dich.
Ich liebe dich nicht für das was du bist, sondern für das was ich bin, wenn ich bei dir bin.
Also ist auch dies der Weg meiner inneren Stimme.

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